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29.9.2020 : 5:18
Eisige Zeiten für Tumoren

Neue patienteneigene Tumorbank im Universitätsklinikum hilft bei der Entwicklung zielgerichteter Krebstherapien.

Tiefgefrorenes Krebsgewebe eröffnet Chancen für die Zukunft. Von links nach rechts: Professor Dr. Uwe Wagner, Dr. Ute-Susann Albert, Dr. Anette Ramaswamy, Professor Dr. Roland Moll sowie Irmi Gallmeir (Path-Vorstand), Ursula Goldmann-Posch (Path-Gründerin) und Dr. Imke Lemcke (Astra Zeneca GmbH).

Die Diagnose Brustkrebs wird jährlich bei rund 50.000 Frauen allein in Deutschland neu gestellt. Das Universitätsklinikum ist darum seit Ende vergangenen Jahres die dritte Klinik neben Kassel und Augsburg, die an der Errichtung der weltweit ersten patienteneigenen Tumorbank teilnimmt: In einer Tiefstgefriertruhe wird befallenes Gewebe von Brustkrebspatientinnen bei minus 152 Grad Celsius eingefroren, um auch in Zukunft für die individuelle Planung neuer Therapien und für neue Untersuchungsansätze verfügbar zu sein.
Initiiert wurde das Projekt von der Augsburger Stiftung Path (Patient Tumorbank of Hope). Die Tumorbank sei ein „zukunftsweisender Schritt zur Verbesserung der individuellen Behandlung von Krebspatienten“, so Professor Dr. Uwe Wagner, Direktor der Marburger Universitäts-Frauenklinik. Auch Professor Dr. Roland Moll, Direktor des Instituts für Pathologie am Universitätsklinikum, begrüßt deren Einrichtung unter anderem wegen der Vorteile für die Patientinnen.
Diese nämlich können eigenes Gewebe kostenfrei einfrieren lassen, sodass es auch später, etwa bei einem Neuausbruch der Krankheit, für Analysen zur Verfügung steht. „Hat die Forschung in dieser Zeit neue Erkenntnisse gewonnen“, so der Marburger Brustchirurg Dr. Matthias Kalder, „können wir das Gewebe dieser Patientinnen auftauen und neu untersuchen.“ Denn ständig werden in menschlichen Zellen beispielsweise neue, so genannte tumorbiologische Faktoren entdeckt, die Aufschluss darüber geben können, welche Therapieform den größten Erfolg verspricht. Auch neue Medikamente, die beim ersten Krankheitsausbruch noch nicht zur Verfügung standen, lassen sich dank des konservierten Gewebes auch später noch auf ihren therapeutischen Effekt überprüfen.
Indem die Patientinnen die Zustimmung zum Einfrieren geben, geben sie gleichzeitig die Hälfte des Gewebes für die Nutzung im Rahmen von Forschungsvorhaben frei, damit es der Entwicklung neuer zielgerichteter Therapien dienen kann. „Über die tatsächliche Nutzung entscheidet dann jeweils der Aufsichtsrat der Path-Stiftung“, so Dr. Matthias Kalder. Das Konzept – ein Teil für die Patientin, ein Teil für die Wissenschaft – stoße in der klinischen Praxis bereits auf sehr positive Resonanz, denn derzeit „beteiligen sich weit über neunzig Prozent unserer Patientinnen an dem Vorhaben“.
Die Universitätsklinik Marburg – hier werden jährlich über zweihundert Patientinnen behandelt, die neu an Brustkrebs erkranken – wurde unter anderem deshalb als Standort für die Tumorbank ausgewählt, weil sie im Mittelpunkt des „Brustzentrum Regio“ steht. Aufgebaut worden war dieses im Jahr 2003 vom Universitätsklinikum unter Leitung von Dr. Ute-Susann Albert und als eines der ersten interdisziplinären Brustzentren im selben Jahr von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Senologie zertifiziert.
Mittlerweile ist das Brustzentrum ein regionales Netzwerk spezialisierter Versorgung und Forschung für Brusterkrankungen, an das sechs weitere Kliniken, sechs Rehabilitationskliniken sowie 76 gynäkologische Praxen angeschlossen sind. Dabei gewährleisten wöchentliche Konferenzen und enge Zusammenarbeit die hoch qualifizierte Versorgung von Patientinnen.
Die Path-Stiftung, die unter anderem vom Krebsforscher Professor Dr. Axel Ullrich vom Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München unterstützt wird, finanziert sich ausschließlich aus Spenden von Unternehmen und Privatleuten. Auf öffentliche Gelder oder Zuschüsse der Krankenkassen warten Patienteninitiativen wie die Stiftung bisher vergebens, umso wichtiger ist darum das Engagement von Firmen wie Astra Zeneca, Roche Pharma und vielen Angehörigen und Patientinnen selbst. Den Aufwand für Gewinnung und Aufarbeitung des Tumorgewebes erbringen indessen die Mitarbeiter der Universitätsklinik: „Aber das tun wir gerne“, so der Pathologe Moll, „weil es den Patientinnen Vorteile und die Krebsforschung ein Stück voran bringt.“

Kontakt

Dr. med. Ute-Susann Albert
Universitätsklinikum der Philipps-Universität
Klinik für Gynäkologie, gynäkologische Endokrinologie und Onkologie
Pilgrimstraße 3
35037 Marburg

Brustzentrum Regio
Sekretariat:
Andrea Rost
Tel.: (06421) 58 66432
E-Mail: brustzentrum@med.uni-marburg.de
Internet: www.med.uni-marburg.de/d-einrichtungen/brustzentrum/