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19.10.2019 : 6:30

Strahlentherapie beim Bronchialkarzinom

Die Strahlentherapie spielt in der Therapie von Lungentumoren eine große Rolle. Je nach Art des Tumors (Histologie) und Größe wird die Strahlentherapie oft in Kombination mit einer Chemotherapie als einzige Heilungsmethode angewendet. Aber auch nach einer Operation wird die Strahlentherapie zur Verringerung des Auftretens eines Rezidives (Wiederauftreten des Tumors) angewendet.

Was bedeutet "perkutane" Strahlentherapie?

Bei der perkutanen Strahlentherapie wird der Tumor von außen „durch die Haut“ bestrahlt. Diese Technik wird auch Teletherapie genannt. Erzeugt wird die sehr energiereiche Strahlung mithilfe eines Linearbeschleunigers. Dieser lenkt die Photonenstrahlen, genauer ultraharte hochenergetische Röntgenstrahlen, auf den Tumor. Das Ziel ist, dass die Krebszellen dadurch zerstört werden. Technische Weiterentwicklungen wie die intensitätsmodulierte Therapie (IMRT), die Stereotaxie, die bildgeführte Bestrahlung (IGRT = image guided radiotherapy), die atemgesteuerte Bestrahlung und die Partikeltherapie ermöglichen heute eine immer zielgenauere Bestrahlung des Tumors.

Wie läuft eine Strahlentherapie bei uns ab?

Eine einzelne Bestrahlungssitzung dauert normalerweise wenige Minuten, jedoch erfolgen meist viele Sitzungen über mehrere Wochen bis der Tumor die nötige Gesamtbestrahlungsdosis erhalten hat. Je nach Tumorart und –größe können in speziellen Fällen jedoch auch etwa 5 Sitzungen oder auch nur eine Einzelsitzung ausreichend sein (Stereotaxie, Radiochirurgie).

Um eine exakte Planung gewährleisten zu können, benötigen die Ärzte viele Informationen. Je mehr Informationen die Ärzte über den Tumor haben, desto genauer können sie die Bestrahlung planen.

Wie erfolgt bei uns die Vorbereitung der Strahlentherapie?

In der Regel wird zunächst eine Computertomographie (CT) der Lunge gemacht. Zu diesem Zeitpunkt werden bereits die ersten Anzeichnungen mit einem wasserfesten Stift auf der Haut gemacht, anhand derer später die korrekte Einstellung der Position des Patienten bei der Bestrahlung erfolgt.

Die Bilder der Computertomographie werden dann an das Computersystem zur Bestrahlungsplanung überspielt. Im Computer legen die Ärzte das zu bestrahlende Volumen fest und die Strahlenphysiker berechnen die beste Einstellung des Beschleunigers (Anzahl und Größe der Strahlenfelder etc.) individuell für jeden Patienten.

Wie können wir den gesamten Tumor bestrahlen, ohne das den Tumor umgebende gesunde Gewebe zu sehr zu belasten?

Es werden mehrere Bestrahlungsfelder aus verschiedenen Richtungen verwendet. Die Einstrahlfelder werden so gewählt, dass die Strahlen das zu schonenden Gewebe, wie etwa das Rückenmark, nicht treffen, oder dass sie den Tumor durch das zu schonenden Gewebe, wie etwa bei Bestrahlung eines Tumors in der Lunge, in möglichst geringer Wirkungsdosis aus verschiedenen Richtungen treffen und so die den Tumor erreichende Gesamtstrahlendosis über immer andere Teile der Lunge mit einer möglichst geringen, das gesunde Gewebe nicht zerstörenden Einzeldosis zugeführt werden kann.

Wie läuft bei uns die eigentliche Behandlung ab? Was bedeutet dabei bildgeführte Strahlentherapie (IGRT)?

Der Patient wird auf dem Behandlungstisch gelagert und in die Behandlungsposition geschoben. Danach erfolgt gegebenenfalls die IGRT mittels Kontrolle der Positionierung des Patienten durch eine auf dem Bestrahlungstisch angefertigte Kontroll-Computertomographie, welche mit der Bestrahlungsplanungs-Computertomographie abgeglichen wird (IGRT). Danach fährt der Bestrahlungstisch auf den Millimeter genau auf die geplante Bestrahlungsposition, um die Strahlen exakt auf den Tumor zu lenken und die eigentliche Bestrahlung kann beginnen.

Die eigentliche Bestrahlung geht sehr schnell und dauert meistens nur wenige Minuten. Die Bestrahlung kann über einzelne feste Einstrahlwinkel erfolgen (3D-konformale Therapie) oder während der Rotation des Beschleunigers um den Patienten mit gleichzeitig sich ändernden Feldeinstrahlkonfigurationen (IMRT- bzw. VMAT-Technik).

Wie erfolgt bei uns eine atemgesteuerte Bestrahlung?

Tumore in der Lunge bewegen sich bei der Atmung, manche sehr wenig, manche viel. Damit man den Tumor trotzdem immer exakt trifft und kein gesundes Lungengewebe unnötig bestrahlt wird, erfolgt bei allen Patienten eine sogenannte 4D-Computertomographie. Dazu wird bei der Computertomographie ein Markerblock auf den Brustbereich gestellt und darüber die Atembewegung des Patienten gemessen. Dann werden die Bilder der Computertomographie einer Atemphase zusortiert, so dass man die Bewegung des Tumors unter Atmung genau sehen kann. Tumore, welche eine sehr hohe Beweglichkeit unter Atmung haben, werden dann später nur in einer bestimmten Atemphase bestrahlt, während in den anderen Atemphasen nicht bestrahlt wird. In diesem Fall dauert die Bestrahlung jedoch länger als nur wenige Minuten.

Wenn ein Patient sehr gut atmen kann, gibt es auch die Möglichkeit unter Atemanhalt (Deep inspiration breath hold) zu bestrahlen, da auch dann der Tumor keine Beweglichkeit zeigt.

Wie wird eine Stereotaxie bzw. Radiochirurgie beim Lungentumor am Universitätsklinikum Marburg durchgeführt?

Bei der Stereotaxie wird durch computerassistierte Zielführungssysteme oder bildgesteuert (IGRT) eine genaue Lokalisation des Tumors ermöglicht. Häufig wird die Stereotaxie im Lungenbereich für wenige hochdosierte Bestrahlungen des Tumors verwendet (fraktionierte Stereotaxie). Diese hochpräzise Bestrahlung (Stereotaxie) mit hoher Einzeldosis und reduzierter Anzahl an Bestrahlungssitzungen wird auch hypofraktionierte Bestrahlung genannt. Die einmalige hochpräzise Bestrahlung eines Tumors oder einer Metastase wird auch als Radiochirurgie bezeichnet. Stereotaxie und Radiochirurgie sind effektive und sichere Alternativen sowohl zur konventionellen Bestrahlung als auch zur Operation. Beide Techniken werden in Kombination mit atemgesteuerter Bestrahlung verwendet. Es wird keine Narkose zur Durchführung der Therapie benötigt. Die Risiken für Früh- und Spätnebenwirkungen sind in der Regel minimal.

Wie wird eine Brachytherapie in unserer Abteilung durchgeführt?

Bei der Brachytherapie wird der Tumor von „innen“ bestrahlt. Dazu wird zunächst ein Schlauch über die Luftröhre bis zum Tumor gebracht (Bronchoskopie). Dann wird eine radioaktive Substanz, welche sich in einer Hülse befindet und an einem Draht befestigt ist, durch den Schlauch bis zum Tumor gebracht. Das passiert computergesteuert. Dieses Verfahren wird als Afterloading (Nachladeverfahren) bezeichnet. Dadurch kommen sowohl das Personal als auch der Patient so kurz wie möglich mit der radioaktiven Substanz in Kontakt. Das Platzieren des Schlauches im Körper und die Bestrahlung erfolgen unter Narkose. Der zeitaufwendigste Teil der Behandlung ist das Einführen des Schlauches und die Bestrahlungsplanung. Die eigentliche Bestrahlung dauert meist nur wenige Minuten. Anschließend wird die radioaktive Substanz computergesteuert eingezogen.

Welche Nebenwirkungen können bei einer Bestrahlung auftreten?

Aufgrund moderner Techniken ist das Auftreten von Nebenwirkungen viel geringer geworden. Oft reagieren Patienten auf eine Bestrahlung mit Müdigkeit, Schlappheit und Abgeschlagenheit. Hautrötungen unter der Therapie sind inzwischen Raritäten. Falls die Speiseröhre Bestrahlungsdosis erhält, kann es akut zu leichten Schluckbeschwerden kommen. Eine sehr seltene Nebenwirkung ist die sogenannte Pneumonitis, bei der es zu einer entzündlichen Reaktion des Lungengewebes innerhalb der Hochdosisbereiche der Bestrahlung kommen kann. Diese könnte sich mit Husten oder Luftnot zeigen und würde mit Kortison behandelt werden. Als mögliche Spätveränderung nach einer Strahlentherapie können sich Teile der Lunge fibrotisch (bindegewebig) umwandeln und weniger am Luftaustausch teilnehmen. Dies wird wie bei einer Operation vorher bei der Bestrahlungsplanung berücksichtigt, damit dauerhaft immer genügend Lungengewebe für den Luftaustausch vorhanden bleibt.

Wann setzen wir eine Strahlentherapie bei Patienten mit Lungentumoren ein?

Falls bereits Knochenmetastasen aufgetreten sind, wird die perkutane Radiotherapie effektiv zur Schmerzlinderung eingesetzt. Dabei sind weniger Sitzungen notwendig, so dass die Therapie meist in 2-4 Wochen abgeschlossen ist. In Einzelfällen kann hier auch eine Einmalbestrahlung ausreichend sein.

Bei Auftreten von Hirnmetastasen wird regelhaft die Strahlentherapie eingesetzt, um die Metastasen zu verkleinern bzw. ganz zu vernichten, da viele systemische Therapien wie eine Chemotherapie oft die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden können und die Strahlentherapie eine effektive, nicht-invasive Therapiemöglichkeit bietet.

Wie können Sie uns erreichen?

Sie können uns Montag - Donnerstag von 8:00-16:00Uhr und Freitag 8:00-14:00Uhr erreichen unter der Telefonnummer 06421/ 58-62833, unter der E-Mail-Adresse Ambulanz.STT(at)uk-gm.de oder per Post an die Strahlentherapie und Radioonkologie, UKGM Marburg, Baldingerstr., 35043 Marburg